DER TRABI - nicht nur ein Bild - sondern ein Geschenk

MEIN KLEINES STÜCK MAUER oder DER TRABI (Meine kleine Geschichte)

Ich bin ganz nah der heutigen East Side Gallery aufgewachsen. In Friedrichshain, um genau zu sein in der Boxhagener Straße 110. Schon damals war sie eine belebte Straße, in der Straßenbahnen laut ihrer Spur folgten. Wir lebten ganz oben, in einer Zweiraumwohnung direkt unter dem Dachboden. Von außen war sie einfach zu erkennen an einem rot gestrichenen Balkongeländer und roten Vorhängen. Die Farbe hatte jedoch nichts mit der Arbeiterfahne oder sozialistischen Gedanken zu tun. Eine Fahne hätten meine Eltern niemals an ihr Fenster gehängt. Bei uns hatte das DDR-Fahnenmeer in den Straßen Berlins stets eine Lücke. (Damals verfügte jede Wohnung über eine extra Fahnen-Einsteck-Vorrichtung. Heute sind sie nur noch selten zu entdecken.) Die rote Farbe war eher ein Ausdruck der inneren Freiheit meiner Mutter und sie erzählte von ihrer rebellischen und auflehnenden Art. 

Meine früheste intensive Erinnerung genau an das Stück Mauer, das heute als East-Side-Gallery Millionen von Touristen anlockt, entstand 1980. Ich war 4 Jahre jung und fuhr mit meinem Vater in unserem hellblauen Trabant über die Warschauer Brücke direkt auf die heutige Oberbaumbrücke zu. Man konnte an dieser Stelle nur links oder rechts abbiegen. Vor dem Geradeaus stand ein Haus, dahinter lag die Spree, die Brücke und Kreuzberg, wie ich heute weiß.

Wir fuhren wie so oft über diese Kreuzung und hatten einen freien Blick auf den DDR-Kontrollposten und den Grenzübergang vor der Oberbaumbrücke. Links sah man einen riesiges Haus ohne Fenster, den Eier-Speicher und rechts die Mauer, eine einfache weiß-graue Wand. 

Es war ein sonniger Tag und ich fragte meinen Vater damals, was dahinter sei. Er antwortete, "Da geht es nicht weiter, da dürfen wir nicht hin." Und ich nahm es hin. Ich erinnere mich bis heute klar und intensiv daran, denn es beschäftigte mich, obwohl ich damals nichts wusste, von der Mauer, ihrer Geschichte und dem diktatorischen System der DDR. Ich blickte die Mauer einfach an, immer wieder und lange. Ich wußte nicht, was ich denken sollte, aber ich sah sie. Bis sie fiel.

Erst später durchmischte sich diese Erinnerung - der Endlichkeit dieser Straße, mit den Gefühlen über die Endlichkeit unserer Welt, den Gefühlen des Eingeschlossenseins, der scheinbaren Unüberwindbarkeit mancher Mauern. 

Heute blüht genau an dieser Stelle die Freiheit und das Leben. Menschen strömen aus allen Teilen der Welt an diesen Teil der Mauer - zur East Side Gallery. Sie schlendern an ihr vorüber, sie fotografieren sie und damit auch ein Stück meiner eigenen, kleinen Geschichte. Die Menschen spazieren an der Mauer entlang, hinter ihr vorbei und sie laufen über die Oberbaumbrücke nach Kreuzberg. Sie lachen, staunen, sitzen in Cafés, trinken etwas, sie essen einen Burger und sie sind frei.  

Manchmal fühle ich die Energie der Vergangenheit in mir, wenn ich an dieser Stelle entlang laufe oder fahre, ich spüre die Gefühle meiner Kindheit. Sie sind klar und auch in der Boxhagener Straße und am Boxhagener Platz spüre ich eine Verbindung zu meiner früheren Zeit, meinem Damals, meiner Geschichte, trotz der großen Veränderungen. Natürlich hat auch die East-Side-Gallery längst nicht mehr den Anschein der unüberwindbaren Mauer, die ich von damals in Erinnerung habe. Heute ist sie farbenfroh und offen, fast wild. Sie wirkt immer noch stark, doch anders.

Dass genau dieser kleine Teil der Mauer - ausgerechnet mein kleiner Teil, als eines der wenigen Stücke in Berlin überhaupt noch steht, noch existiert, ist nur einem Mann zu verdanken:   

Kani Alavi - ein deutsch-iranischer Künstler. Ihm gelang es, die großteilige Zerstörung der Mauer irgendwann mit anderen Augen zu sehen. Ihm gelang der Blick von oben, von außen, er hatte die Fähigkeit Ihre Kraft und Wichtigkeit für die Geschichte schon damals zu erkennen. Jeder andere wollte dieses Mahnmal der Gewalt und der Diktatur zerstören. Natürlich. 

Kani Alavi bemalte diesen Teil der Mauer zusammen mit anderen Künstlern und sicherte sie so für die Zukunft - er befreite die Mauer von ihrer alten Realität und schenkte ihr eine neue - eine lehrende, eine erinnernde, an der jetzt Jahr für Jahr Millionen von Menschen vorbei strömen. Er schaffte einen Kilometer der Erinnerung. 

Alavi selbst malte das Bild der geöffneten Mauer, die hindurchströmenden Menschen, er malte die Freiheit. Doch dieses Bild des "Trabis" der in Berlin lebenden Birgit Kinder - diese Fotografie verbindet die Mauer mit meiner ersten Erinnerung an sie. Als ich an ihr vorbeifahrend in einem Trabbi saß und meinen Vater fragte, was hinter ihr sei. 

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